Der Antennenwels gehört zu den beliebtesten Aquarienfischen überhaupt – und das nicht ohne Grund.
Er ist robust, langlebig, friedlich und passt sich sehr gut an unterschiedliche Becken an.
Gleichzeitig ist er einer der am häufigsten missverstandenen Fische in der Aquaristik.
Viele Halter erwarten einen permanent sichtbaren „Algenputzer“, der tagsüber Scheiben reinigt und ansonsten keine Ansprüche stellt.
Die Realität sieht anders aus:
Antennenwelse sind dämmerungs- und nachtaktiv, verstecken sich tagsüber gern und entwickeln erst mit zunehmender Größe ihren eigenen Charakter.
Wer sie bewusst hält – mit Wurzeln, Rückzugsorten und gezielter Fütterung – bekommt einen ruhigen, interessanten Bodenfisch, der über viele Jahre hinweg Freude macht.
Probleme entstehen fast immer dort, wo der Antennenwels nur als Mittel zum Zweck eingesetzt wird:
gegen Algen, ohne Platz, ohne Holz und ohne Plan für möglichen Nachwuchs.
Antennenwelse (korrekt: Antennen-Harnischwelse) gehören zur Familie der Harnischwelse (Loricariidae) und zur Gattung Ancistrus.
🔍 Steckbrief
Herkunft: Südamerika
Lebensraum: Flüsse mit Holz, Steinen, Strömung
Gattung: Ancistrus (keine einzelne Art – Sammelbegriff!)
⚠️ Wichtiger Hinweis vorweg
Der Antennenwels ist kein Algenputzer-Ersatz.
Als Jungtier frisst er Aufwuchs – als adultes Tier benötigt er gezielte Fütterung.
Wer ihn nur „gegen Algen“ einsetzt, hält ihn falsch.
🧬 Art & Bezeichnung – kurz klarstellen
- Ancistrus sp. = keine definierte Art, sondern Sammelbegriff
- im Handel fast ausschließlich Nachzuchten
- viele Farbformen (braun, albino, gold, longfin)
- Männchen entwickeln namensgebende Antennen am Kopf
🌈 Verhalten & Charakter
- friedlich, territorial nur gegenüber Artgenossen
- vor allem nachtaktiv
- Männchen verteidigen Höhlen
- tagsüber oft versteckt – das ist normal, kein Stressanzeichen
Typischer Anfängerfehler:
„Man sieht ihn nie → der macht nichts“
→ Doch. Er lebt nur nicht im Vordergrund.
🍃 Haltung & Einrichtung
✔️ Becken
- ab 100 Liter für ein Tier
- Paar oder Gruppe: 150–200 Liter+
- Grundfläche wichtiger als Höhe
✔️ Einrichtung
- Wurzeln Pflicht (Zellulose!)
- Höhlen / Spalten
- strukturierter Boden
- leichte bis mittlere Strömung
❌ Häufige Fehler
- zu kleine Becken
- keine Wurzeln
- nur „mitlaufend“ gehalten
- falsche Vergesellschaftung mit revierbildenden Bodenfischen
⚙️ Wasserwerte
| Parameter | Optimal |
|---|---|
| Temperatur | 22–26 °C |
| pH | 6,0–7,5 |
| GH | 5–15 |
| KH | 2–10 |
| Sauerstoff | mittel–hoch |
Aqualizer-Tipp:
Bei zu warmem Wasser (>27 °C) werden Antennenwelse träge und anfällig.
🤝 Vergesellschaftung
✔️ Geeignet
❌ Nicht geeignet
- andere große Bodenwelse im Kleinbecken
- aggressive Cichliden
- stark revierbildende Arten
🍽️ Ernährung – der größte Irrtum
Ein häufiger Mythos:
„Der Antennenwels lebt von Algen.“
❌ Falsch.
✔️ Richtig füttern:
- Gemüse (Zucchini, Gurke, Paprika)
- spezielle Wels-Tabs
- Holz (Dauerquelle!)
- gelegentlich Frostfutter
❌ Falsch:
- nur Algen erwarten
- ausschließlich Flocken
- kein pflanzlicher Anteil
👉 Unterernährte Antennenwelse gehen an Pflanzen.
🐣 Zucht
- im Aquarium sehr einfach
- Höhlenbrüter
- Männchen betreibt Brutpflege
- Nachwuchs schnell & zahlreich
⚠️ Achtung:
Antennenwelse vermehren sich im Aquarium extrem leicht.
Das eigentliche Problem ist jedoch nicht die Zucht, sondern die Abgabe:
Der Markt ist übersättigt, Zoohandlungen nehmen kaum noch Tiere an und private Abnehmer sind selten.
Wer die Vermehrung nicht kontrolliert, sitzt schnell auf dutzenden Jungtieren.
🧠 Typische Probleme
❌ „Mein Antennenwels frisst Pflanzen“
→ Hunger / falsche Fütterung
❌ „Er wächst gar nicht“
→ zu kleines Becken
❌ „Er frisst keine Algen“
→ erwachsenes Tier, völlig normal
🧾 Fazit
Der Antennenwels ist:
✔ robust
✔ friedlich
✔ langlebig
✔ interessant zu beobachten
Aber:
❌ kein reiner Algenfresser
❌ kein Deko-Tier
❌ kein Fisch für Nano-Becken
Kurz:
Mit Platz, Holz und richtiger Fütterung ein Top-Bewohner.
Als Algenputzer missbraucht → falsche Haltung.
❓ FAQ – Häufige Fragen zum Antennenwels
Ist der Antennenwels ein guter Anfängerfisch?
Ja, bei ausreichender Beckengröße und richtiger Fütterung ist der Antennenwels gut für Einsteiger geeignet.
Er ist robust, friedlich und verzeiht kleinere Pflegefehler – vorausgesetzt, er wird nicht nur als „Algenputzer“ gehalten.
Frisst der Antennenwels wirklich Algen?
Jungtiere fressen Aufwuchs und weiche Algen.
Adulte Antennenwelse sind jedoch keine zuverlässigen Algenfresser mehr und benötigen gezielte Fütterung mit pflanzlicher Kost.
Warum sieht man meinen Antennenwels kaum?
Antennenwelse sind dämmerungs- und nachtaktiv.
Dass sie sich tagsüber verstecken, ist völlig normal und kein Zeichen von Stress oder Krankheit.
Warum vermehren sich Antennenwelse so stark?
Antennenwelse sind Höhlenbrüter und vermehren sich im Aquarium sehr leicht, wenn passende Verstecke vorhanden sind.
Das ist biologisch normal – wird aber oft unterschätzt.
Was ist das Problem mit dem Nachwuchs?
Das eigentliche Problem ist nicht die Vermehrung, sondern die Abgabe.
Der Markt ist seit Jahren stark gesättigt, Zoohandlungen nehmen Jungtiere kaum noch an und private Abnehmer sind selten.
Unkontrollierte Vermehrung führt daher schnell zu Platzproblemen.
Da Antennenwelse keine natürliche Inzuchtvermeidung zeigen, entsteht aus dem Nachwuchs in kurzer Zeit weiterer Nachwuchs.
Wie kann ich ungewollte Vermehrung vermeiden?
Möglich sind z. B.:
Haltung nur eines Geschlechts
Begrenzung geeigneter Höhlen
keine gezielte Zuchtanregung
Eine Trennung von Männchen und Weibchen ist die sicherste Methode.
Warum ist Inzucht bei Antennenwelsen ein Problem?
Inzucht ist bei Antennenwelsen problematisch, weil sie keine natürliche Inzuchtvermeidung zeigen.
Bei unkontrollierter Vermehrung paaren sich daher auch nahe verwandte Tiere.
Langfristig kann das zu schwächeren Tieren, geringerer Widerstandskraft und erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten führen.
Das eigentliche Risiko entsteht nicht sofort, sondern über mehrere Generationen hinweg.
Warum dürfen Antennenwelse nicht in natürliche Gewässer ausgesetzt werden?
Antennenwelse dürfen keinesfalls in natürliche Gewässer ausgesetzt werden.
Als nicht-heimische Arten können sie sich dort invasiv ausbreiten, heimische Fischarten verdrängen und empfindliche Ökosysteme schädigen.
In vielen Ländern – auch in Deutschland – ist das Aussetzen von Aquarientieren in freie Gewässer gesetzlich verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat dar.
Unerwünschter Nachwuchs muss daher verantwortungsvoll im Aquarium gehalten oder fachgerecht weitergegeben werden.
Was tun, wenn man Antennenwels-Nachwuchs nicht abgeben kann?
Wenn sich für Antennenwels-Nachwuchs keine Abnehmer finden, liegt die Verantwortung vollständig beim Halter.
Das Aussetzen in natürliche Gewässer ist verboten und keine Option.
Sinnvolle Möglichkeiten sind:
frühzeitige Trennung der Geschlechter zur Vermeidung weiteren Nachwuchses
begrenzte Höhlenangebote, um unkontrollierte Vermehrung zu verhindern
Aufzucht nur so vieler Jungtiere, wie dauerhaft gehalten oder seriös vermittelt werden können
Kontakt zu Aquarienvereinen oder erfahrenen Privathaltern
Wer Antennenwelse hält, sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein und Vermehrung nicht unkontrolliert zulassen.
Sind Antennenwelse L-Welse?
Nein. Antennenwelse (Ancistrus spp.) sind in der Regel keine L-Welse.
L-Nummern werden für noch nicht eindeutig wissenschaftlich beschriebene Harnischwelse vergeben.
Die Gattung Ancistrus ist jedoch taxonomisch beschrieben und wird daher normalerweise ohne L-Nummer geführt.
Eine bekannte Ausnahme ist Ancistrus sp. „L144“, eine Farbform, die zeitweise mit einer L-Nummer gehandelt wurde.
Heißt es Antennenwels oder Antennen-Harnischwels?
Beides ist korrekt. „Antennen-Harnischwels“ ist die fachlich präzise Bezeichnung, „Antennenwels“ der gebräuchliche Kurzname.
🐟 Allgemein & Taxonomie
- Wikipedia – Antennenwelse (Ancistrus)
https://de.wikipedia.org/wiki/Antennen-Harnischwelse




