Garnelen im Aquarium – Haltung, Pflege & typische Anfängerfehler

Die ehrliche Antwort vorweg

Garnelen im Aquarium halten ist nicht schwierig, aber sie verzeihen keine Nachlässigkeit.
Die meisten Probleme entstehen nicht durch falsche Artenwahl, sondern durch instabile Wasserwerte, falsche Erwartungen und schlechte Vorbereitung. Wer Garnelen wie „Deko-Tiere“ behandelt, verliert sie. Wer ihre biologischen Bedürfnisse ernst nimmt, kann sie jahrelang erfolgreich halten und vermehren.

Dieser Ratgeber zeigt dir klar und praxisnah, wie Garnelenhaltung wirklich funktioniert – inklusive der Fehler, die fast jeder Anfänger macht.


Grundlagen & Einordnung: Was Garnelen wirklich brauchen

Was Garnelen von Fischen unterscheidet

Garnelen reagieren deutlich sensibler auf:

  • Schwankungen der Wasserwerte
  • Schadstoffe (Kupfer, Medikamente, Dünger)
  • Stress durch Mitbewohner

Während viele Fische kurzfristige Fehler wegstecken, sterben Garnelen oft zeitverzögert, ohne offensichtliche Ursache. Genau das führt zu Frust.

Beliebte Garnelenarten (realistisch eingeordnet)

ArtAnspruchFür Anfänger geeignet
Neocaridina davidi (Red Fire, Blue Dream etc.)robust✅ Ja
Caridina cantonensis (Crystal Red, Bee)empfindlich❌ Nein
Amano-Garnelerobust, groß⚠️ eingeschränkt
Sulawesi-Garnelenhochspezialisiert❌ Nein

Klare Empfehlung:
Wenn du neu bist → Neocaridina. Alles andere ist unnötiges Risiko.


Typische Anfängerfehler (ohne Beschönigung)

❌ Fehler 1: „Die passen schon ins Gesellschaftsbecken“

Nein.
Fast alle Fische fressen Garnelen – spätestens den Nachwuchs. Selbst „friedliche“ Arten stressen sie dauerhaft.

Fakt:
Ein Garnelenbecken ist kein Fischbecken mit Garnelen, sondern ein eigenes System.


❌ Fehler 2: Keine Einfahrphase

Garnelen brauchen:

  • Biofilm
  • stabile Bakterienkulturen
  • eingelaufene Filter

Ein Becken unter 3–4 Wochen Laufzeit ist nicht garnelentauglich.


❌ Fehler 3: Leitungswasser blind vertrauen

Viele Wasserwerke setzen:

  • Kupfer
  • Chlor
  • schwankende Härten

Ein Wasserwechsel kann reichen, um eine ganze Gruppe zu verlieren.

👉 Aqualizer-Tipp:
Mit dem Aqualizer Wasserwert-Check erkennst du problematische Schwankungen frühzeitig und siehst, ob dein Wasser überhaupt garnelentauglich ist.


❌ Fehler 4: Überfüttern

Garnelen verhungern nicht schnell, aber sie sterben sehr wohl an:

  • Wasserbelastung
  • Bakterienexplosionen
  • Häutungsproblemen

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Garnelen richtig halten

Schritt 1: Beckenwahl

  • Mindestgröße: 20 Liter
  • Besser: 30–60 Liter (stabiler)
  • Kein Nano-„Glaswürfel ohne Technik“

Schritt 2: Bodengrund & Einrichtung

Für Neocaridina:

  • Sand oder feiner Kies
  • Kein aktiver Soil nötig

Einrichtung:

  • Moose (z. B. Javamoos)
  • Aufsitzerpflanzen (Anubias, Bucephalandra)
  • Laub (Seemandelbaum, Eiche)

Biofilm ist wichtiger als Optik.


Schritt 3: Technik

TechnikEmpfehlung
Filterluftbetriebener Schwammfilter
Heizungnur bei <20 °C
Beleuchtungmoderat
CO₂nicht nötig, oft problematisch

Schritt 4: Wasserwerte (realistisch)

Neocaridina – Zielbereich:

ParameterBereich
Temperatur18–24 °C
pH6,5–7,5
GH6–12
KH3–8
Nitrit0
Nitrat<20 mg/l

👉 Wichtiger als perfekte Werte: Stabilität.


Schritt 5: Eingewöhnung (entscheidend!)

  • Tröpfchenmethode
  • Dauer: mindestens 1–2 Stunden
  • Keine Abkürzungen

Sonderfälle & häufige Missverständnisse

„Meine Garnelen verstecken sich“

Normal in den ersten Tagen.
Dauerhaftes Verstecken = Stress oder falsche Mitbewohner.


„Plötzlich sterben alle nach dem Wasserwechsel“

Typische Ursachen:

  • Temperaturunterschied
  • Kupfer
  • falscher Wasseraufbereiter
  • zu großer Wechsel (>30 %)

„Warum klappt die Vermehrung nicht?“

  • zu hohe Temperatur
  • fehlende Rückzugsorte
  • falsche Mineralien
  • Stress durch Fische

Praxis-Tipps aus Erfahrung

  • Lieber weniger füttern als zu viel
  • Laub dauerhaft im Becken lassen
  • Häutungen nicht entfernen
  • Kleine Wasserwechsel (10–20 %)
  • Geduld schlägt Technik

Checkliste: Garnelenbecken startklar?

✅ Becken mindestens 4 Wochen gelaufen
✅ Keine Fische
✅ Schwammfilter
✅ Moos & Laub vorhanden
✅ Wasserwerte geprüft
✅ Langsame Eingewöhnung

Wenn ein Punkt fehlt → nicht einsetzen.

Fazit – nüchtern und ehrlich

Garnelenhaltung ist kein Hexenwerk, aber sie bestraft Nachlässigkeit.
Wer Wasserwerte ignoriert, Tiere falsch kombiniert oder ungeduldig ist, wird scheitern.
Wer strukturiert vorgeht, Geduld hat und Stabilität schafft, wird mit stabilen Populationen und faszinierendem Verhalten belohnt.

Können Garnelen ohne Filter leben?

Nein. Stillstand = Sauerstoffmangel + Bakterienprobleme.

Brauchen Garnelen spezielles Futter?

Ja, gelegentlich. Aber Biofilm ist die Hauptnahrung.

Wie oft füttern?

2–3× pro Woche reicht oft völlig.

Sind Garnelen nachtaktiv?

Nein, aber nachts aktiver.

Können Garnelen Krankheiten bekommen?

Ja. Meist durch Stress oder Wasserprobleme.

Sind Garnelen für Kinder geeignet?

Nur mit Betreuung. Keine „Spieltiere“.

Wie alt werden Garnelen?

1,5–3 Jahre, je nach Art.

Kann man Garnelen umsetzen?

Ja – aber immer langsam.

Brauchen Garnelen Salz?

Nein. Süßwassergarnelen nicht.

Warum häuten sich Garnelen?

Wachstum. Häutungsprobleme deuten auf Mineralmangel hin.

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