🐠 Krankheiten im Aquarium erkennen & behandeln – der große Leitfaden für Einsteiger & Fortgeschrittene

Ein Aquarium ist ein kleines Ökosystem – und wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, sind Krankheiten im Aquarium oft die Folge. Viele Ausbrüche entstehen nicht „einfach so“, sondern durch Stress, schlechte Wasserqualität, falsche Ernährung oder neue Fische aus dem Handel.
Je früher du Symptome erkennst, desto besser kannst du reagieren – und desto höher sind die Überlebenschancen.

Dieser Leitfaden zeigt dir alle wichtigen Krankheitssymptome, häufige Auslöser, die Top-5 gefährlichsten Krankheiten und bewährte Behandlungsmethoden – Schritt für Schritt.


🔍 Krankheiten rechtzeitig erkennen: Die wichtigsten Symptome

Viele Krankheiten lassen sich bereits an kleinen Veränderungen erkennen.
Wenn du eines dieser Anzeichen siehst, solltest du sofort handeln:

1️⃣ Veränderungen am Körper

  • weiße Punkte (Ichthyophthirius)
  • Wattebeläge (Pilzinfektionen)
  • rote Streifen / Blutungen
  • aufgestellte Schuppen („Kiefernstellung“ = Gefährlich!)
  • eingefallener Bauch

2️⃣ Auffälliges Verhalten

  • scheuern an Deko/Steinen → starker Hinweis auf Parasiten
  • schnelle Atmung → Sauerstoffmangel, Ammoniak, Nitrit
  • plötzliche Apathie oder Panik
  • Futterverweigerung
  • ständiges Oberflächenatmen

3️⃣ Veränderungen an Flossen & Kiemen

  • Flossenrisse
  • weiße oder schwarze Ränder
  • verklebte Flossen
  • rote, entzündete Kiemen → Nitrit oder Parasiten

4️⃣ Veränderungen im Wasser

  • trübes Wasser → Bakterienblüte, Überfütterung
  • starker Geruch → organische Last, Filterproblem

Merke:
Symptome kommen fast nie „allein“. Wenn du ein Verhalten siehst, das nicht normal ist, solltest du sofort Wasserwerte prüfen.

Laut dem Deutschen Tierschutzbund treten viele Erkrankungen erst spät sichtbar auf – regelmäßige Beobachtung ist daher entscheidend.
Quelle: Deutscher Tierschutzbund


🧪 Häufige Ursache Nr. 1: Wasserqualität

80 % aller Krankheiten im Aquarium lassen sich auf Stressfaktoren durch die Wasserchemie zurückführen:

  • Nitrit (NO₂)
  • Ammoniak (NH₃)
  • Temperaturstress
  • zu niedriger pH
  • zu hohe oder zu niedrige Härte
  • Sauerstoffmangel
  • CO₂-Schwankungen

Sofortmaßnahmen bei Verdacht:

  1. 50 % Wasserwechsel
  2. Filterlauf prüfen (niemals ausschalten!)
  3. Fütterung reduzieren
  4. Temperatur stabilisieren

💡 Aqualizer-Tipp:
Der Aqualizer registriert Temperatur- und CO₂-Schwankungen sowie untypisches Tierverhalten frühzeitig – perfekt, um Stress und damit Krankheiten zu verhindern.
https://aqualizer.aquariuminsider.de

Forschung der Universität Wageningen zeigt deutlich, wie Stress, schlechte Wasserwerte und Keimbelastung Krankheiten massiv fördern.


⚠️ Die 5 häufigsten & gefährlichsten Krankheiten im Aquarium

1. Weißpünktchenkrankheit („Pünktchenkrankheit“, Ichthyophthirius)

Symptome:

  • viele kleine weiße Punkte auf Körper & Flossen
  • Fische scheuern sich
  • schnelle Atmung

Ursache:
Stress, neue Fische, Temperaturschwankungen.

Behandlung:

  • Temperatur langsam auf 28–29 °C erhöhen (außer bei empfindlichen Arten)
  • Medikament gegen Ichthyo
  • täglicher Wasserwechsel (30–50 %)

2. Flossenfäule

Symptome:

  • ausgefranste oder weiße Flossenränder
  • Flossen „schmelzen“ regelrecht ab

Ursache:
Bakterielle Infektion durch schlechte Wasserqualität.

Behandlung:

  • Wasserqualität sofort verbessern
  • antibakterielles Mittel
  • Stress vermeiden

3. Pilzinfektionen (Saprolegnia)

Symptome:

  • watteartige, weiße bis grünliche Beläge
  • meist an Verletzungen

Behandlung:

  • pilzhemmende Medikamente
  • Wasserwerte stabilisieren
  • Ursachen wie Bisswunden oder scharfe Dekokanten prüfen

4. Kiemenwürmer / Hautwürmer

Symptome:

  • Fische atmen schnell
  • schießen durch das Becken
  • schleimige Haut

Behandlung:

  • Wurmmittel (Praziquantel)
  • Hygiene verbessern
  • neue Fische künftig quarantänisieren

5. Bauchwassersucht (oft tödlich)

Symptome:

  • extrem aufgeblähter Körper
  • Schuppen stehen ab
  • apathisches Verhalten

Behandlung:
Schwierig.
Häufig ist es ein sekundäres Symptom durch Bakterien & Organversagen.


🩺 Schritt-für-Schritt Behandlung bei unbekannter Krankheit

Wenn du die Krankheit nicht eindeutig erkennst:

1️⃣ Wasserwerte messen

pH, KH, GH, NO₂, NO₃, Temperatur.

2️⃣ Großen Wasserwechsel durchführen (50–70 %)

Wichtig, um Giftstoffe zu senken.

3️⃣ Fische beobachten & Symptome dokumentieren

Foto oder Video hilft (Gruppenseiten, Tierärzte).

4️⃣ Fütterung reduzieren

Überfütterung verschlechtert fast jede Krankheit.

5️⃣ Medikament erst dann einsetzen, wenn Diagnose klar ist

Blindmedikationen richten oft mehr Schaden an.


🔒 Quarantäne – der Schutz vor Krankheiten im Aquarium

Die meisten Krankheitseinbrüche stammen aus dem Handel.
Darum gilt:

  • neue Fische 7–14 Tage in Quarantäne
  • beobachten, messen, stressfrei eingewöhnen
  • niemals Wasser aus Händlerbeuteln ins Aquarium schütten

Quarantänebecken muss nicht schön sein – nur funktional.


⚕️ Wann musst du Medikamente einsetzen?

Medikamente sind sinnvoll, wenn:

  • Parasiten sichtbar sind
  • Pilz oder Bakterieninfektion fortgeschritten ist
  • der Zustand der Fische sich schnell verschlechtert

Bei leichten Fällen reicht oft:

  • Wasserwechsel
  • Stressreduktion
  • Salzbehandlung (nur geeignet für bestimmte Arten!)

💊 Hausmittel: sinnvoll oder gefährlich?

Sinnvoll:

  • Erhöhung der Temperatur (bei Ichthyo)
  • Salzbehandlung bei Lebendgebärenden (sparsam!)

Gefährlich / nutzlos:

  • Essig
  • Knoblauch
  • „Hausmittelmix“ aus Foren

Bitte keine Experimente – Fische reagieren extrem empfindlich.


🧬 Krankheiten im Aquarium: Wichtige Zusatzinfos, die oft übersehen werden

Viele Ratgeber kratzen nur an der Oberfläche – dabei steckt gerade bei Krankheiten extrem viel Komplexität dahinter.
Dieser ergänzende Abschnitt hilft dir, kritische Fehler zu vermeiden und Behandlungen zielgenau, sicher und garnelenverträglich durchzuführen.


🍤 Medikamente & Wirbellose – was du NIEMALS zusammen tun solltest

Garnelen und Schnecken reagieren auf viele Wirkstoffe wesentlich empfindlicher als Fische.
Der Klassiker: „Ich habe ein Mittel ins Becken gegeben, jetzt liegen meine Garnelen tot da.“
Das passiert häufiger als du denkst.

❌ Wirkstoffe, die Garnelen NICHT vertragen:

  • Kupfer (Cu²⁺) → extrem giftig
  • Formalin/Formaldehyd
  • Malachitgrün
  • Methylene Blue (bedingt)
  • Acriflavin (bedingt)
  • Antibiotika in voller Dosierung

Kupfer ist DER häufigste Auslöser für Garnelensterben nach Medikamenteneinsatz, denn:

  • Garnelen können Schwermetalle schlechter ausscheiden
  • Biofilm im Becken speichert Cu²⁺
  • Pflanzen geben gebundenes Kupfer später wieder ab
  • Garnelen nehmen es über Kiemen + Futter auf

Merke:
➡️ Wenn Garnelen im Becken leben, verwende NUR garnelenverträgliche Medikamente.
Oder: Fische während der Behandlung in ein separates Quarantänebecken setzen.

Einige Wirkstoffe wie Kupfer sind für Garnelen hochgiftig. Eine gute Übersicht liefert Shrimp-Keeping.com.


🧪 Bakterien, Pilze, Parasiten – die Unterschiede sind entscheidend

Viele Aquarianer behandeln auf Gut Glück – und treffen die falsche Krankheitskategorie.
Die Folge: Keine Wirkung, aber Stress für Fische und Filter.

Hier ist der klare Unterschied:


🦠 1️⃣ Bakterielle Krankheiten im Aquarium

Beispiele: Flossenfäule, Columnaris, Bauchwassersucht (sekundär)
Symptome:

  • Rötungen, Entzündungen
  • Gewebeschäden
  • schnelle Verschlechterung
  • Beläge (weiß-grau)

Behandlung:

  • antibakterielle Präparate
  • KEINE Temperaturerhöhung bei Columnaris (wird schlimmer!)
  • Filter weiterlaufen lassen

👾 2️⃣ Parasitär

Beispiele: Ichthyo, Costia, Trichodina, Würmer
Symptome:

  • Scheuern
  • Punkte
  • schnelle Atmung
  • Schleimhautablösungen

Behandlung:

  • Temperatur (bei Ichthyo hilfreich)
  • spezielle Anti-Parasiten-Mittel
  • ggf. Salz (je nach Art!)

🍄 3️⃣ Pilze

Beispiele: Saprolegnia
Symptome:

  • watteartige Beläge
  • Befall nach Verletzungen

Behandlung:

  • pilzhemmende Mittel
  • Ursache (Stress/Verletzung) beseitigen

💡 Warum diese Unterscheidung so wichtig ist:

Falsches Medikament = Filterkollaps, Totalausfall der Bakterien, Sauerstoffnot.
Beispiele aus der Praxis:

  • Ichthyo mit Antibiotika behandeln → keine Wirkung
  • Flossenfäule mit Wärmemethode behandeln → bakterielle Explosion
  • Pilzinfektion mit Salzbädern behandeln → nur Stress, keine Heilung

🧯 Vor jeder Behandlung: DIESE Schritte retten Leben

Viele Fehler passieren vor der eigentlichen Behandlung.

1️⃣ Diagnose bestmöglich eingrenzen

Mindestens 3 Symptome prüfen.
Foto erstellen.

2️⃣ Wasserwerte messen

pH, NO₂, NO₃, Temperatur, KH, GH.

3️⃣ Wasserwechsel durchführen

Mindestens 50 %.
Das senkt Stress und Giftstoffe.

4️⃣ Filter NICHT reinigen

Sonst stirbt die Biologie ab → Ammoniakspitze.

5️⃣ Aktivkohle entfernen

Sonst wird das Medikament neutralisiert!
Viele vergessen das.

6️⃣ UV-C aus

Neutralisiert fast jedes Medikament innerhalb von Minuten.

7️⃣ Fütterung reduzieren

Kranke Fische verbrauchen weniger Energie.
Zu viel Futter = mehr Belastung fürs Wasser.


🧪 Behandlung: Hauptbecken oder Quarantänebecken?

Nicht jede Krankheit muss im Hauptbecken behandelt werden.

🏥 Quarantänebehandlung sinnvoll bei:

  • neuen Fischen mit Parasiten
  • Einzelinfektionen (Pilz, Verletzung)
  • empfindlichen Arten
  • Garnelen im Hauptbecken
  • starken Medikamenten

🐠 Hauptbeckenbehandlung sinnvoll bei:

  • Ichthyo (Ansteckung extrem schnell)
  • massiven Parasitenbefall
  • bakteriellen Ausbrüchen in der Gruppe

💡 Goldene Regel:
Wenn ein Medikament die Filterbiologie gefährden kann → lieber Quarantänebecken.


🍽️ Ernährung bei Krankheiten im Aquarium – das wird fast immer ignoriert

Futter ist ein unterschätzter Faktor im Heilungsprozess.

✖️ Das NICHT tun:

  • Frostfutter → enthält oft Keime
  • zu große Mahlzeiten
  • fettreiche Nahrung

✔️ Das hilft nachweislich:

  • vitaminisiertes Flockenfutter
  • spirulinahaltige Kost
  • Immunsystem-Booster (Vitamin B, C)
  • leicht verdauliches Futter

Kranke Fische fressen häufig schlechter → daher Nahrung kurz einweichen, damit sie weicher wird.


🧼 Sauberkeit & Hygiene während der Behandlung

Während einer Krankheitsphase gelten besondere Hygieneregeln:

  • Mulm absaugen (aber NICHT den ganzen Boden aufreißen)
  • abgestorbene Pflanzenteile entfernen
  • tote Tiere sofort herausnehmen
  • Filtereinlauf & Auslass prüfen
  • Schläuche entlüften (für maximalen Sauerstoffeintrag)

Sauerstoff ist entscheidend, denn viele Medikamente senken den Sauerstoffgehalt im Wasser.

Tipp: Luftsprudler zuschalten.


♻️ Nach der Behandlung – so stellst du das Gleichgewicht wieder her

Eine Behandlung endet nicht, wenn das Medikament ausdosiert ist.

1️⃣ Großzügiger Wasserwechsel (50–80 %)

Rückstände entfernen.

2️⃣ Aktivkohle einsetzen (für 48 h)

Zieht Medikamentenreste heraus.

3️⃣ Filterpflege (sehr vorsichtig!)

Nur eine Filterkammer säubern.

4️⃣ Bakterienkulturen stabilisieren

Starterbakterien oder Filterbakterien hinzufügen.

5️⃣ Licht und CO₂ langsam hochfahren

Plötzliches Starklicht → Algenexplosion.


🧠 Warum kranke Fische oft Wochen später sterben

Viele Krankheiten „heilen“ äußerlich, aber innerlich bleiben Schäden:

  • Nierenversagen
  • Herzschäden
  • Schleimhautdefekte
  • Kiemenvernarbung

Darum:
Fische mindestens 2 Wochen nachbeobachten.


🚨 Bonus: Red Flags — Wann sofort handeln?

  • Oberflächenatmen mehrerer Tiere
  • plötzliche Todesfälle ohne Symptome
  • viele Fische scheuern gleichzeitig
  • Flocken im Wasser trotz Filter
  • aufgestellte Schuppen
  • Tiere „stehen“ apathisch im Wasser

Dann gilt:
Sofort Wasserwerte prüfen.
Wenn Nitrit > 0 → große Gefahr.


Speichere dir diese Liste – sie entscheidet im Ernstfall über Erfolg oder Misserfolg.


Checkliste für den Ernstfall

Speichere dir diese Liste – sie entscheidet im Ernstfall über Erfolg oder Misserfolg.

🚨 SOFORT prüfen (innerhalb der ersten 60 Sekunden)
❗ Verhalten beobachten: Atemnot, Scheuern, Apathie
❗ Sichtkontrolle: Punkte, Beläge, Rötungen, Verletzungen
❗ Tote Tiere sofort entfernen
❗ Wasserwerte messen: NO₂, NH₃/NH₄, pH, Temperatur

🧪 Vor jeder Behandlung (Pflicht!)
🔄 50–60 % Wasserwechsel
🧴 Aktivkohle aus dem Filter entfernen
🌡️ UV-C ausschalten
💨 Zusätzlichen Sauerstoff einbringen (Sprudler)
🧼 Filter NICHT reinigen (Biologie muss stabil bleiben)
📸 Fotos machen (Symptome dokumentieren)

🩺 Behandlung richtig starten
🎯 Krankheitstyp bestimmen: bakteriell, parasitär, pilzartig
📍 Bei Garnelen/Schnecken:
→ nur garnelenverträgliche Medikamente
🫙 Quarantänebecken nutzen, wenn möglich
⏱️ Dosierung strikt einhalten – niemals „zur Sicherheit mehr“
🌡️ Temperatur nur anheben, wenn es ZUR Krankheit passt (z. B. Ichthyo)

🔄 Während der Behandlung
🍽️ Weniger füttern
💧 Täglich Sichtkontrolle
🫧 Sauerstoffzufuhr hoch halten
🚫 Keine weiteren Wasserparameter „optimieren“
🕯️ Licht gedimmt halten (weniger Stress)

♻️ Nach der Behandlung
💧 50–80 % Wasserwechsel
🧴 Aktivkohle für 48 h einsetzen
🦠 Bakterienstarter zugeben
⚙️ Filter vorsichtig reinigen (max. 1 Kammer)
🌱 Licht & CO₂ langsam steigern
🐠 14 Tage Nachbeobachtung

🧠 Wann SOFORT handeln? (Notfall-Level Rot)
Mehrere Fische atmen an der Oberfläche
Trübes Wasser + plötzlich tote Tiere
Fische kippen zur Seite, taumeln
Weiße Schleimhaut löst sich ab
Aufgestellte Schuppen („Kiefernzapfen“)
➡️ Das ist ein Akutfall. Sofort Wasserwechsel + Diagnose.


🧠 Fazit: Krankheiten im Aquarium verhindern statt behandeln

Die meisten Krankheiten lassen sich komplett vermeiden, wenn du:

  • Wasserwerte stabil hältst
  • Überbesatz vermeidest
  • regelmäßig Pflanzen schneidest
  • Stress reduzierst
  • nur gesunde Fische einsetzt
  • nie ungepflegte Händlerbecken kaufst

Ein Aquarium mit stabilen Parametern hat kaum Krankheitsfälle.

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