Nitritpeak ist einer der häufigsten Gründe für tote Fische in neu eingerichteten Aquarien. Viele Einsteiger hören den Begriff, verstehen aber nicht genau, was dahintersteckt – und vor allem nicht, wann es wirklich kritisch wird. Genau hier passieren Fehler: Fische werden zu früh eingesetzt, Wasserwerte werden nicht kontrolliert oder Warnsignale werden ignoriert.
In diesem Artikel erfährst du sachlich und praxisnah:
- Was ein Nitritpeak technisch bedeutet
- Wann er auftritt
- Warum er für Fische gefährlich ist
- Wie du ihn erkennst
- Und wie du richtig reagierst
Ohne Panikmache. Aber auch ohne Schönreden.
Was ist ein Nitritpeak im Aquarium?
Der Nitritpeak bezeichnet den zeitweisen starken Anstieg des Nitritwertes (NO₂) im Aquarium – meist während der Einlaufphase eines neu eingerichteten Beckens.
Nitrit entsteht im Rahmen des sogenannten Stickstoffkreislaufs:
- Futterreste, Pflanzenreste und Ausscheidungen produzieren Ammonium (NH₄)
- Bakterien wandeln Ammonium in Nitrit (NO₂) um
- Andere Bakterien wandeln Nitrit in Nitrat (NO₃) um
Das Problem:
Beim Start eines Aquariums sind diese Bakterien noch nicht ausreichend vorhanden. Die Umwandlungskette funktioniert also nicht stabil. Das Nitrit steigt an – teilweise stark.
Dieser Anstieg wird als Nitritpeak bezeichnet.
Warum ist Nitrit gefährlich?
Nitrit ist für Fische hochgiftig.
Technischer Hintergrund:
Nitrit blockiert den Sauerstofftransport im Blut der Fische. Es oxidiert das Hämoglobin zu Methämoglobin. Das Blut kann dadurch keinen Sauerstoff mehr effektiv transportieren – selbst wenn genug Sauerstoff im Wasser vorhanden ist.
Die Folge:
- Fische schnappen an der Oberfläche
- schnelle Atmung
- apathisches Verhalten
- dunkle Färbung
- im Extremfall Tod
Bereits Werte ab 0,2 mg/l Nitrit sind kritisch.
Ab 0,5 mg/l wird es akut gefährlich.
Ein Nitritpeak ist also kein theoretisches Problem – sondern kann sehr schnell existenzbedrohend für deinen Besatz werden.
Wann tritt der Nitritpeak auf?
Der Nitritpeak tritt fast immer während der Einlaufphase auf – typischerweise zwischen Tag 7 und Tag 21 nach Einrichtung.
Das ist kein festes Datum. Faktoren wie:
- Temperatur
- Sauerstoffgehalt
- Filterleistung
- Bakterienstart
- Menge organischer Belastung
beeinflussen den Zeitpunkt.
Wichtig:
Der Nitritpeak kommt nicht sofort. Viele Anfänger messen nach einer Woche „alles gut“ und setzen Fische ein – genau dann beginnt der Anstieg.
Weitere Infos: Kapitel 5 – Aquarium Einlaufphase: Aufgaben, Dauer & typische Erscheinungen
Nitritpeak erkennen – so misst du richtig
Ein Nitritpeak ist unsichtbar. Du erkennst ihn nur durch Messung.
Empfehlung:
- Tropfentest (deutlich genauer als Teststreifen)
- ab Tag 5–7 regelmäßig messen
- mindestens 3–4 Wochen lang kontrollieren
Messfrequenz:
- während der Einlaufphase: alle 2 Tage
- bei ersten Anzeichen: täglich
Testsets:
- JBL NO₂ Test (am besten im Testkoffer)
Das sind Investitionen in Sicherheit – keine Spielerei.
Nitritpeak im Detail: Die bakterielle Ursache
Ein Aquarium benötigt zwei zentrale Bakteriengruppen:
- Nitrosomonas → wandeln Ammonium in Nitrit um
- Nitrobacter / Nitrospira → wandeln Nitrit in Nitrat um
Beim Start vermehren sich zuerst die Ammonium-verarbeitenden Bakterien. Nitrit entsteht schneller, als es weiterverarbeitet werden kann. Erst zeitverzögert steigt die Population der Nitrit-abbauenden Bakterien.
Diese zeitliche Verschiebung erzeugt den Peak.
Sobald genügend Nitrit-abbauende Bakterien vorhanden sind, sinkt der Nitritwert wieder dauerhaft ab.
Typische Fehler beim Nitritpeak
1. Fische zu früh einsetzen
„Das Wasser ist klar, also passt es.“
Falsch. Klarheit sagt nichts über Nitrit aus.
Tipp: Ab wann kann man Fische einsetzen? – 2, 3 oder 4 Wochen?
2. Teststreifen verwenden
Ungenau. Gerade im kritischen Bereich nicht zuverlässig.
3. Zu früh große Fischmengen einsetzen
Selbst wenn der Peak vorbei ist, kann eine Überlastung einen zweiten Peak auslösen.
4. Filter reinigen während der Einlaufphase
Du entfernst genau die Bakterien, die du brauchst.
Tipp: Die 10 häufigsten Anfängerfehler im Aquarium (und wie du sie vermeidest)
5. Bakterienstarter als Wundermittel betrachten
Sie können helfen, ersetzen aber keine Einlaufzeit.
Was tun bei einem Nitritpeak?
Wenn Fische im Becken sind und der Nitritwert steigt:
- Sofort 50–80 % Wasserwechsel
- Täglich messen
- Bei erneutem Anstieg erneut Wasser wechseln
- Fütterung stark reduzieren
- Sauerstoffzufuhr erhöhen
Wasserwechsel sind die effektivste Sofortmaßnahme.
Kein Mittel aus der Flasche wirkt schneller.
Kann man einen Nitritpeak verhindern?
Komplett verhindern – nein.
Aber man kann ihn kontrollieren.
Strategie:
- Aquarium 3–4, eher 6 Wochen ohne Fische einfahren
- Geduld
- moderat „anfüttern“ (kleine Futtermenge ins leere Becken)
- regelmäßige Messung
Ein gut eingefahrenes Aquarium zeigt:
- Nitrit dauerhaft nicht nachweisbar
- Nitrat messbar vorhanden
Das ist das Ziel.
Nitritpeak und Pflanzen – helfen sie?
Ja, indirekt.
Schnellwachsende Pflanzen wie:
- Hygrophila
- Wasserpest
- Hornkraut
nehmen Ammonium direkt auf. Dadurch entsteht weniger Nitrit.
Ein stark bepflanztes Becken hat meist einen abgeschwächten Peak.
Aber: Pflanzen ersetzen keine bakterielle Filterbiologie.
Nitritpeak nach dem Start – gibt es spätere Peaks?
Ja.
Mögliche Auslöser:
- starker Fischzuwachs
- Überfütterung
- Filterausfall
- Medikamenteneinsatz
- starke Filterreinigung
Deshalb:
Nitrit ist kein „Einmal-Thema“. Es gehört zur regelmäßigen Kontrolle – besonders bei Problemen.
Ab wann ist das Aquarium wirklich sicher?
Ein Aquarium gilt als stabil, wenn:
- Nitrit über mindestens 7 Tage nicht nachweisbar ist
- Besatz langsam aufgebaut wird
- Filter ungestört läuft
- Nitrat moderat messbar ist
Geduld ist hier keine Option – sondern Voraussetzung.
Fazit
Der Nitritpeak ist ein normaler biologischer Prozess – aber potenziell tödlich für Fische.
Die Lösung ist simpel:
- Einfahren lassen
- regelmäßig messen
- nicht zu früh besetzen
- bei Problemen sofort Wasser wechseln
Wer hier sauber arbeitet, verhindert 90 % aller Anfängerfehler.
Siehe auch: Wie verändert der Mensch den natürlichen Stickstoffkreislauf? | Umweltbundesamt




