Die sogenannte „Siamesische Rüsselbarbe“ zählt zu den bekanntesten – und gleichzeitig am häufigsten missverstandenen – Aquarienfischen.
Sie wird im Handel als Algenfresser angeboten, häufig falsch bestimmt, als Einzeltier gehalten und in zu kleine Becken gesetzt.
Unter passenden Bedingungen können Crossocheilus-Arten im Jugendstadium einen spürbaren Beitrag zur Algenkontrolle leisten – insbesondere bei Bart- und Pinselalgen.
Mit zunehmendem Alter lässt diese Wirkung jedoch deutlich nach.
Dieser Beitrag ordnet die Artengruppe fachlich korrekt ein, erklärt die häufigen Verwechslungen und zeigt, welche Ansprüche Crossocheilus-Arten tatsächlich haben – und warum sie kein Fisch für kleine Becken oder Anfänger sind.
Hinweis: Der Begriff „Siamesische Rüsselbarbe“ ist eine Handelsbezeichnung und keine eindeutige Artbeschreibung.
Herkunft: Südostasien (Thailand, Laos, Kambodscha)
Lebensraum: sauerstoffreiche Fließgewässer
Frühere Verwechslungen: oft fälschlich mit Garra, Epalzeorhynchos oder „falschen Rüsselbarben“ verkauft
⚠️ Wichtiger Hinweis vorweg
Die Siamesische Rüsselbarbe ist kein Anfängerfisch.
Sie wird groß, sehr aktiv und braucht Platz, Strömung und Gruppenhaltung.
Wer sie als „Algenputzer für 100 Liter“ kauft, macht fast alles falsch.
🧬 Die große Verwechslungsfalle
Viele Aquarianer halten keine echte Siamesische Rüsselbarbe, sondern eine ähnliche Art.
✔️ Typische Merkmale von Crossocheilus-Arten (Handelsbezeichnung „Siamesische Rüsselbarbe“):
Hinweis zur Artbezeichnung:
Im europäischen Handel werden unter dem Namen „Siamesische Rüsselbarbe“ überwiegend Crossocheilus oblongus (früher C. siamensis) sowie Crossocheilus atrilimes angeboten.
Weitere Arten sind kaum relevant oder nicht regelmäßig verfügbar.
- schwarzer Längsstreifen bis in die Schwanzflosse hinein
- keine goldene Linie darüber
- klare Flossen ohne schwarze Säume
- Saugnapf-ähnliches Maul ohne Haftscheibe
❌ Häufige Verwechslungen:
- Epalzeorhynchos kalopterus (Flossenzupfer, aggressiv)
- Garra-Arten (andere Ansprüche)
- uneinheitliche Handelsnamen wie „Flying Fox“, die zu Verwechslungen innerhalb der Gattung Crossocheilus führen
🌈 Verhalten & Aktivität
Die Siamesische Rüsselbarbe ist:
- extrem schwimmfreudig
- neugierig
- intelligent
- sozial innerhalb der Gruppe
Jungtiere sind friedlich.
Mit zunehmender Größe entwickeln sie eine klare Rangordnung.
Einzeln gehaltene Tiere werden:
- aggressiv
- territorial
- ineffektiv als Algenfresser
🍃 Haltung & Einrichtung – hier entscheidet sich alles
✔️ Becken
- ab 300 Liter Pflicht, besser 400+
- Beckenlänge wichtiger als Höhe
- viel freier Schwimmraum
✔️ Einrichtung
- starke, aber breit verteilte Strömung
- hoher Sauerstoffgehalt
- robuste Pflanzen (Anubias, Bolbitis, Vallisnerien)
- Steine & Wurzeln als Weideflächen
❌ Typische Fehler
- 200-Liter-Becken → zu klein
- Einzelhaltung
- keine Strömung
- reine Deko-Aquascapes
⚙️ Wasserwerte
| Parameter | Optimal |
|---|---|
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH | 6,0–7,5 |
| GH | 5–15 |
| KH | 3–8 |
| Sauerstoff | hoch |
| Strömung | mittel–stark |
Aqualizer-Tipp:
Wenn Nitrat steigt oder Sauerstoff fällt, verlieren Rüsselbarben schnell ihre Aktivität – und damit ihre Algenwirkung.
🤝 Sozialverhalten & Vergesellschaftung
✔️ Gruppenhaltung
- mindestens 4–5 Tiere, besser 6–8
- Einzeltiere sind problematisch
✔️ Geeignete Mitbewohner
❌ Nicht geeignet
- langsame Fische
- langflossige Arten
- kleine Nano-Fische
- ruhige Schaubecken
🍽️ Futter – sonst fressen sie keine Algen mehr
Ein häufiger Irrtum:
„Die Rüsselbarbe frisst nur Algen.“
Falsch.
✔️ Geeignet:
- Aufwuchs & Algen (v. a. Pinsel- und Bartalgen!)
- Spirulina-Futter
- Gemüse (Zucchini, Gurke)
- hochwertiges Granulat
❌ Fehler:
- zu viel Protein
- ausschließlich Fischfutter
- keine pflanzliche Ergänzung
👉 Mit zunehmendem Alter und bei reichhaltiger Fütterung nimmt das Algeninteresse deutlich ab – unabhängig von der Haltung.
🐣 Zucht
- im Heimaquarium praktisch nicht möglich
- Zucht erfolgt kommerziell hormonell
- Tiere im Handel meist Nachzuchten
🧠 Typische Probleme
❌ „Siamesische Rüsselbarbe frisst keine Algen mehr“
→ falsches Futter / falsche Art
❌ Aggressives Verhalten
→ Einzelhaltung / zu kleines Becken
❌ Farbverlust & Stress
→ Sauerstoffmangel / Enge
❌ Pflanzen werden beschädigt
→ Hunger, falsche Haltung
🧾 Fazit – brutal ehrlich
Crossocheilus-Arten können im Jugendstadium einen Beitrag zur Kontrolle bestimmter Algenformen leisten – insbesondere bei Bart- und Pinselalgen.
Als adulte Tiere sind sie jedoch keine verlässlichen Algenfresser mehr, sondern in erster Linie aktive Schwarmfische mit hohem Platzbedarf.
Aber:
❌ kein Anfängerfisch
❌ kein Fisch für kleine Becken
❌ kein Einzeltier
❌ kein Deko-Accessoire
Kurz:
Großes Becken, Gruppe, Strömung – dann ist sie Gold wert.
🔗 Externe Links
- Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Crossocheilus_siamensis
- FishBase – https://www.fishbase.se/summary/Crossocheilus-siamensis.html
- SeriouslyFish – https://www.seriouslyfish.com/species/crossocheilus-siamensis/
Ist die Siamesische Rüsselbarbe ein Anfängerfisch?
Nein. Trotz ihres Rufs als „Algenfresser“ ist sie kein Anfängerfisch.
Sie wird groß, sehr aktiv und braucht Gruppenhaltung, Strömung und viel Schwimmraum.
In kleinen Becken oder Einzelhaltung wird sie problematisch.
Wie groß wird eine Siamesische Rüsselbarbe wirklich?
Im Aquarium erreicht sie 14–16 cm.
Viele Halter unterschätzen das, weil Jungtiere sehr schlank wirken.
Wie viele Siamesische Rüsselbarben sollte man halten?
Mindestens 4–5 Tiere, besser 6–8.
Einzelhaltung oder Paarhaltung führt fast immer zu Aggressionen oder Stress.
Reicht ein 200-Liter-Becken?
Nein.
200 Liter sind in der Praxis zu klein für dauerhaft gesunde Tiere.
Empfehlung: ab 300 Liter, ideal ab 400 Liter mit viel Schwimmraum.
Frisst die Siamesische Rüsselbarbe wirklich Algen?
Ja – aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Sie ist einer der wenigen Fische, die Pinsel- und Bartalgen zuverlässig fressen.
Überfütterte Tiere oder falsch bestimmte Arten ignorieren Algen komplett.
Warum frisst meine Rüsselbarbe keine Algen mehr?
Häufige Ursachen:
zu viel Zusatzfutter
zu proteinreiche Ernährung
falsche Art (keine echte Crossocheilus siamensis)
Stress durch Enge oder Einzelhaltung
Woran erkenne ich eine echte Siamesische Rüsselbarbe?
✔ Schwarzer Längsstreifen geht bis in die Schwanzflosse
✔ Keine goldene Linie über dem Streifen
✔ Keine schwarzen Flossensäume
✔ Schlanker, torpedoförmiger Körper
Kann man sie mit Guppys, Neons oder Garnelen halten?
Nein, nicht sinnvoll.
Diese Arten sind zu klein, zu langsam oder zu empfindlich.
Die Siamesische Rüsselbarbe gehört in Becken mit ähnlich aktiven, größeren Fischen.
Ist sie mit der „Flying Fox“ identisch?
Nein.
Die Flying Fox (Epalzeorhynchos) ist eine andere Art, oft aggressiver und kein vergleichbarer Algenfresser.
Diese Verwechslung ist einer der häufigsten Kauf- und Haltungsfehler.




