Diese Ratschläge sind nicht nur falsch – sie schaden deinem Aquarium aktiv.
Zoohandlungs-Mythen gehören zu den größten Gefahren für Einsteiger in der Aquaristik. Viele Tipps, die man in Geschäften hört, sind nicht nur falsch – sie können ein Aquarium nachhaltig schädigen.
Zoohandlungen sind wichtig, keine Frage. Viele geben sich Mühe. Aber die Realität ist: In sehr vielen Läden steht Verkauf weit vor Fachwissen – und das führt dazu, dass Einsteiger falsche Tipps bekommen, die später zu Algen, Fischsterben, Neustarts oder kompletten Frust führen.
Damit du nicht in dieselben Fallen trittst, findest du hier die 7 gefährlichsten Mythen, die du konsequent ignorieren solltest – plus die Erklärung, was wirklich stimmt.
❌ Zoohandlungs-Mythen: Der gefährlichste Anfängerfehler: „Nach einer Woche kannst du schon Fische einsetzen!“
Das ist einer der verbreitetsten Tipps – und einer der gefährlichsten.
Hintergrund: Das biologische Gleichgewicht entsteht nicht sofort.
Die wichtigen nitrifizierenden Bakterien brauchen Wochen, nicht Tage.
Das Problem:
- Ammonium/Ammoniak entstehen sofort, sobald du Futter, Pflanzenreste oder Bakterienstarter im Becken hast.
- Die Bakterien, die daraus Nitrit machen, müssen sich erst aufbauen.
- Das führt zum Nitritpeak – und der kommt meist zwischen Woche 2 und Woche 5.
Fische in dieser Phase zu besetzen ist für viele Arten tödlich, selbst „robuste“ wie Guppys oder Platys.
Was wirklich stimmt:
- Ein Becken gilt erst als stabil, wenn mehrere Tests hintereinander Nitrit = 0,0 mg/l anzeigen.
- Einlaufphase dauert 4–6 Wochen, manchmal länger.
- Pflanzen, nicht Fische, gehören zuerst ins Aquarium.
👉 Aqualizer-Tipp:
Der Aqualizer zeigt dir automatisch die Stabilität des Systems und warnt bei steigenden Nitritwerten. Ideal in den ersten Wochen.
❌ Mythos 2: „Guppys, Neons, Kampffische – die sind robust, das passt schon.“
Dieser Mythos entsteht, weil diese Arten sich gut verkaufen.
Robust bedeutet aber nicht „unempfindlich gegenüber schlechter Haltung“.
Beispiele aus der Praxis:
- Neonfische vertragen hohe Nitrit- oder Nitratwerte nicht.
- Guppys aus Massenproduktion sind oft anfällig gegenüber Krankheiten und brauchen eher härteres Wasser.
- Kampffische alleine sind ok – aber mit Garnelen oder hektischen Arten endet es fast immer blutig.
- Garnelen in Leitungswasser mit stark schwankender GH/KH – ebenfalls Schwierigkeiten.
Realität:
„Robust“ heißt nur, dass sie nicht sofort sterben.
Aber Probleme sind vorprogrammiert, wenn Wasserwerte, Beckengröße oder Mitbewohner nicht passen.
❌ Mythos 3: „CO₂ brauchst du nicht, Pflanzen wachsen auch so.“
Dieser Rat wird gerne gegeben, weil CO₂-Anlagen teuer sind – aber er ist irreführend.
Ja, es gibt Pflanzen, die ohne CO₂ wachsen:
- Anubias
- Javafarn
- Cryptocorynen
Aber sobald du helle Beleuchtung, dichter bepflanzte Layouts oder schnell wachsende Stängelpflanzen hast, ist CO₂ Pflicht.
Ohne CO₂:
- Pflanzen wachsen langsamer
- Algen konkurrieren erfolgreich
- Nährstoffverhältnisse geraten aus dem Gleichgewicht
Mit CO₂:
- stabile Pflanzen
- dichte Teppiche
- weniger Algen
- bessere Sauerstoffproduktion
Fazit:
CO₂ ist kein Luxus – es ist die entscheidende Stellschraube für ein gesundes Pflanzenaquarium.
❌ Mythos 4: „Bei trübem Wasser nimm einfach diesen Bakterienstarter.“
Wird extrem oft verkauft – leider völlig pauschal.
Trübes Wasser kann 3 Ursachen haben:
- Bakterienblüte
- Schwebealgen
- feinste Schmutzpartikel durch Filterprobleme
Ein Bakterienstarter hilft nur bei Fall 1.
Schwebealgen?
→ Licht- und CO₂-Problem, nicht mit Bakterien lösbar.
Trübes Wasser nach Umgestaltung?
→ Filterklärung, Mulmsauger, Feinfilterwatte.
Was wirklich stimmt:
Zuerst Ursache ermitteln – dann handeln.
Nicht jedes „Mittelchen“ funktioniert für jedes Problem.
❌ Mythos 5: „Ein Futter für alle Fische – das reicht vollkommen.“
Dieser Rat ist bequem, aber falsch.
Fische haben spezialisierte Ernährungsbedürfnisse:
- Panzerwelse → proteinreich, sinkend
- Lebendgebärende (Guppys, Mollys) → Pflanzenanteile
- Diskus → tierische Nahrung, viel Protein
- Garnelen → Pflanzenreste, Biofilm, Zusatzfutter
- Saugwelse → Holzbestandteile (z. B. Ancistrus)
Mit „Einheitsfutter“ bekommen viele Arten dauerhafte Mangelerscheinungen, schlechte Farben oder sogar Organprobleme.
Futter muss zur Art passen – Punkt.
❌ Mythos 6: „Algenmittel wirken schnell und schaden nicht.“
Das ist schlicht gefährlich.
Die Wahrheit:
Viele Algenmittel greifen Garnelen an, schädigen Filterbakterien oder führen zu instabilen Becken.
Warum sind sie problematisch?
- Sie bekämpfen nur Symptome, nicht Ursachen
- Ursachen sind fast immer: Licht, CO₂, Nährstoffe
- Algenmittel verursachen oft Folgeprobleme nach dem Einsatz
Wann darf man sie überhaupt nutzen?
Nur, wenn man die Ursache behoben hat und eine Restplage übrig bleibt.
Aber als „Hau drauf“-Lösung sind sie ungeeignet.
❌ Mythos 7: „Wasserwerte musst du nicht testen – man sieht Probleme doch.“
Das ist einer der schlimmsten Ratschläge überhaupt.
Realität:
Fische zeigen Probleme immer zu spät:
- Nitrit ist ab 0,2 mg/l tödlich.
- Ammoniak entsteht bei pH-Schwankungen – unsichtbar, aber gefährlich.
- pH-Sprünge sieht man nicht.
- CO₂-Übersättigung merkt man erst, wenn Fische oben hängen.
Wenn du wartest, bis du „etwas siehst“, ist es meistens schon zu spät.
👉 Ein guter Testkoffer rettet Fische – wortwörtlich.
🧾 Fazit
Die meisten gefährlichen Zoohandlungsmythen haben eines gemeinsam:
Sie verkaufen kurzfristig gut, zerstören aber langfristig das Aquarium.
Wenn du diese 7 Mythen kennst und ignorierst, ersparst du dir:
- tote Fische
- Nitritvergiftungen
- Algenplagen
- Neustarts
- Frust und Kosten
Ein Aquarium funktioniert nicht durch Glück, sondern durch korrektes Wissen.



