Machen Fische Pipi? Ja – auch wenn du im Aquarium nie etwas davon siehst. Süßwasserfische produzieren sogar ungewöhnlich große Mengen, weil ständig Wasser durch ihre Kiemen und Haut in den Körper strömt. Aufs Klo im menschlichen Sinn gehen Fische aber nicht: Einen festen Ort dafür gibt es nicht, und bei den meisten Aquarienfischen sind After und Harnausgang ohnehin zwei getrennte Öffnungen. Was dahintersteckt – und warum das für deine Wasserwerte wichtiger ist, als die Frage klingt – erklärt dieser Beitrag.
Machen Fische Pipi? Die einfache Antwort im Überblick
Ja – Fische produzieren echten Urin, den ihre Nieren aus dem Blut filtern, ganz ähnlich wie bei anderen Wirbeltieren. Viele echte Knochenfische, zu denen fast alle klassischen Aquarienbewohner zählen, besitzen dafür sogar eine einfache Harnblase. Sie sammelt den Urin kurz, bevor er über eine eigene Öffnung hinter dem After, die Urogenitalpapille, nach außen abgegeben wird.
Vorsicht Verwechslungsgefahr: Die bekannte Schwimmblase, mit der Fische ihren Auftrieb im Wasser regulieren, hat mit der Harnblase nichts zu tun. Beide Organe tragen zufällig ein ähnliches Wort im Namen, erfüllen aber völlig unterschiedliche Aufgaben – die Schwimmblase steuert das spezifische Gewicht, die Harnblase sammelt lediglich Urin vor der Ausscheidung.
Anders als bei Amphibien, Reptilien oder Haien gibt es bei echten Knochenfischen keine gemeinsame Kloake für Kot, Urin und Fortpflanzungsprodukte. Alle drei verlassen den Körper getrennt voneinander – bei den meisten Aquarienfischen über zwei statt eine Körperöffnung.
Gehen Fische aufs Klo? Wie die Verdauung funktioniert
Kot scheiden Fische über den After am Ende des Darms aus, wie die meisten Wirbeltiere auch. Einen festen Platz dafür gibt es aber nicht: Fische koten dort, wo sie sich gerade aufhalten. Das erklärt, warum sich Kotfäden und unverdaute Futterreste oft an Dekoration, Pflanzen oder Bodengrund sammeln und Teil des Mulms werden, den du regelmäßig absaugen solltest.
Wie viel ein Fisch ausscheidet, hängt dabei direkt von der Futtermenge ab. Größere Fische und Arten mit hohem Futterumsatz, etwa Goldfische oder große Buntbarsche, produzieren spürbar mehr Kot und Urin als kleine Salmler. Wer regelmäßig überfüttert, erhöht also nicht nur die Menge an Ausscheidungen, sondern indirekt auch die Ammoniakbelastung im Becken.
Dass dir das im Alltag trotzdem kaum auffällt, liegt an der Verdünnung: Selbst in einem kleinen Aquarium verteilt sich der Urin sofort im gesamten Wasservolumen. Sichtbar wird allenfalls der Kot als dünner Faden hinter dem Fisch – der Urin selbst bleibt unsichtbar und geruchlos.
Warum Süßwasserfische ständig Pipi machen müssen
Der Grund für die großen Urinmengen liegt in der Osmose. Im Körper eines Süßwasserfischs sind mehr Salze gelöst als im umgebenden Wasser. Dadurch strömt ununterbrochen Wasser durch die dünnen Kiemenmembranen und die Haut in den Körper – ohne dass der Fisch etwas dagegen tun kann. Ohne Gegenmaßnahme würden seine Zellen anschwellen.
Deshalb trinken Süßwasserfische gar nicht. Stattdessen scheiden ihre Nieren das eindringende Wasser als stark verdünnten Urin wieder aus – bei manchen Arten bis zu einem Drittel des eigenen Körpergewichts pro Tag. Zum Vergleich: Menschen scheiden nur etwa 2 bis 2,5 Prozent ihres Körpergewichts an Urin aus. Die dabei verlorenen Mineralstoffe holen sich die Fische aktiv über spezialisierte Zellen in den Kiemen zurück.
Salzwasserfische machen es umgekehrt
Meerwasserfische stehen vor dem entgegengesetzten Problem: Ihre Umgebung ist salziger als ihr eigener Körper, sie verlieren also laufend Wasser an das Meer. Um das auszugleichen, trinken sie aktiv Meerwasser, geben überschüssiges Salz über spezialisierte Zellen in den Kiemen ab und scheiden nur geringe Mengen stark konzentrierten Urins aus. Fürs Süßwasseraquarium spielt das keine Rolle, zeigt aber, wie unterschiedlich sich derselbe Vorgang je nach Lebensraum entwickelt hat.
Eine Ausnahme bilden Haie und Rochen: Sie lagern Harnstoff aktiv in Blut und Gewebe ein, um osmotisch mit dem Meerwasser im Gleichgewicht zu bleiben, statt ihn vollständig auszuscheiden. Für die klassische Süßwasseraquaristik spielt das keine Rolle, erklärt aber, warum die Fachliteratur bei Knorpelfischen von einem eigenen Osmoregulationsmodell spricht.
| Merkmal | Süßwasserfisch | Salzwasserfisch |
|---|---|---|
| Trinkverhalten | Trinkt nicht | Trinkt aktiv Meerwasser |
| Wasserfluss | Wasser strömt ständig ein | Wasser strömt ständig aus |
| Urinmenge | Groß, stark verdünnt | Gering, stark konzentriert |
| Salzhaushalt | Nimmt Salze aktiv über Kiemen auf | Gibt Salze aktiv über Kiemen ab |
Der eigentliche Wasserwert-Übeltäter: Ammoniak über die Kiemen
Wichtiger als der Urin ist für dein Aquarium ein anderer Ausscheidungsweg. Rund 90 Prozent des Ammoniaks, das beim Eiweißstoffwechsel entsteht, geben Süßwasserfische nicht über die Nieren, sondern direkt über die Kiemen ab – per Diffusion, ohne aktiven Pumpmechanismus. Das funktioniert allerdings nur, solange zwischen Fisch und Wasser noch ein ausreichendes Konzentrationsgefälle besteht.
Ist das Wasser bereits mit Ammoniak belastet, wird diese Ausscheidung gehemmt, und der Wert im Blut der Fische steigt gefährlich an. Genau das passiert häufig in frisch eingerichteten oder überbesetzten Becken, wenn die Filterbakterien mit dem Abbau nicht hinterherkommen.
Was bedeutet das für dein Aquarium?
Kurz zusammengefasst: Machen Fische Pipi? Ja – aber für die Wasserqualität spielt das eine kleinere Rolle als gedacht. Kot und Urin tragen zwar zur allgemeinen Bioload bei, das eigentliche Risiko für deine Fische entsteht aber über den Stickstoffkreislauf aus Ammoniak, Nitrit und Nitrat. Regelmäßige Wasserwerte-Kontrollen, ein eingefahrener Filter und eine angepasste Besatzdichte sind deshalb wichtiger als die Frage, wie oft ein Fisch pinkelt. Eine einfache Faustregel hilft zusätzlich: Füttere nur so viel, wie deine Fische in ein bis zwei Minuten restlos fressen – das reduziert automatisch auch die Ammoniak-Spitzen danach.
Aqualizer-Tipp: Mit dem Aqualizer trägst du deine gemessenen Ammoniak-, Nitrit- und Nitratwerte ein und siehst auf einen Blick, ob dein Stickstoffkreislauf im grünen Bereich ist – gerade in der Einlaufphase ein echter Zeitgewinn.
Hilfreiches Zubehör: Mit einem Ammonium/Ammoniak-Test behältst du den kritischeren der beiden Werte im Blick, statt dich auf Vermutungen zu verlassen.
Mehr zu den physiologischen Grundlagen findest du in der Zusammenfassung der Universität Ulm zur Osmoregulation bei Fischen.
Noch Fragen zum Thema „Machen Fische Pipi“? Die häufigsten Antworten:
Haben Fische eine Harnblase?
Ja, viele echte Knochenfische besitzen eine einfache Harnblase. Sie sammelt den Urin kurz, bevor er über eine eigene Öffnung hinter dem After ausgeschieden wird.
Haben Fische einen After?
Ja, Fische haben einen After für die Kotausscheidung. Bei echten Knochenfischen ist er getrennt von der Urin- und Geschlechtsöffnung, anders als bei der Kloake vieler anderer Wirbeltiere.
Wie oft machen Fische Pipi?
Süßwasserfische scheiden praktisch ständig kleine Mengen verdünnten Urin aus, weil laufend Wasser über die Kiemen in ihren Körper eindringt. Einen festen Rhythmus wie bei Säugetieren gibt es dabei nicht.
Warum wird mein Aquarienwasser durch Fischkot trüb?
Unverdaute Futterreste und Kot zersetzen sich im Wasser und setzen dabei unter anderem Ammoniak frei. Ohne regelmäßige Reinigung und funktionierenden Filter kann das die Wasserwerte belasten und das Wasser eintrüben.
Machen alle Fischarten gleich viel Pipi?
Nein. Süßwasserfische scheiden wegen der Osmose deutlich mehr und stärker verdünnten Urin aus als Meerwasserfische, die im Vergleich nur geringe Mengen konzentrierten Urins produzieren.
Ist Fisch-Urin gefährlich für mein Aquarium?
Der Urin selbst kaum. Gefährlicher ist das Ammoniak, das Fische zusätzlich über die Kiemen abgeben – es ist die eigentliche Ursache für kritische Wasserwerte, nicht der Harn.
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