Der Stickstoffkreislauf im Aquarium ist der biologische Prozess, der Stoffwechselprodukte deiner Fische, Garnelen und absterbende Pflanzenreste in zunehmend ungefährlichere Verbindungen umwandelt – in drei aufeinanderfolgenden Phasen: Ammonium/Ammoniak, Nitrit und Nitrat. Er läuft in jedem eingefahrenen Aquarium automatisch und rund um die Uhr, getragen von Bakterien im Filter und auf jeder benetzten Oberfläche. Verstehst du diesen Kreislauf, verstehst du auch, warum ein neues Becken Zeit braucht, wieso der berüchtigte Nitritpeak entsteht und wie du typische Anfängerfehler vermeidest. Dieser Artikel zeigt dir kompakt, was in jeder Phase passiert, welche Bakterien beteiligt sind und wie lange der komplette Ablauf realistisch dauert.
Was ist der Stickstoffkreislauf im Aquarium?
Als Stickstoffkreislauf im Aquarium bezeichnet man die Umwandlung von organischen Abfällen – Futterresten, Kot, absterbenden Pflanzenteilen – in zunehmend ungefährlichere Stickstoffverbindungen. Ohne diesen Kreislauf würden sich giftige Stoffwechselprodukte im geschlossenen System Aquarium anreichern, bis sie für die Bewohner tödlich werden. In der freien Natur übernehmen große Wassermengen und ständiger Austausch diese Verdünnung; im Aquarium muss die biologische Filterung diese Aufgabe komplett allein leisten.
Die 3 Phasen des Stickstoffkreislaufs im Aquarium
Der Stickstoffkreislauf im Aquarium läuft in drei klar abgegrenzten Phasen ab. Jede Phase hat eine eigene chemische Verbindung, eigene Bakteriengruppen und ein eigenes Gefahrenpotenzial:
| Phase | Verbindung | Bakteriengruppe | Gefahr für Fische |
|---|---|---|---|
| 1 | Ammonium (NH4+) / Ammoniak (NH3) | Nitrosomonas | NH3 ab ca. 0,02–0,05 mg/l erste Schäden, ab 0,25 mg/l akut gefährlich |
| 2 | Nitrit (NO2−) | Nitrospira | ab 0,2 mg/l kritisch, ab 0,5 mg/l akut gefährlich |
| 3 | Nitrat (NO3−) | Endprodukt | weitgehend ungiftig, ab ca. 50 mg/l (Fische) bzw. 20 mg/l (Garnelen) problematisch |
Phase 1: Ammonium und Ammoniak
Futterreste, Kot und absterbende Pflanzenteile setzen zunächst Ammonium (NH4+) frei. Ob daraus das für Fische hochgiftige Ammoniak (NH3) wird, hängt vom pH-Wert und der Wassertemperatur ab: Bei niedrigem pH überwiegt das ungefährliche Ammonium, ab einem pH-Wert von etwa 7 verschiebt sich das Gleichgewicht zunehmend zum giftigen Ammoniak – bei höherer Temperatur verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich. Erste Schäden an Kiemen und Nervensystem sind je nach Fischart bereits ab etwa 0,02–0,05 mg/l NH3 beschrieben, spätestens ab 0,25 mg/l solltest du handeln. Mehr dazu in Ammoniak im Aquarium: Wie gefährlich ist NH3 wirklich?
Phase 2: Nitrit
Die Bakteriengattung Nitrosomonas wandelt Ammonium/Ammoniak in Nitrit (NO2−) um. Nitrit ist für Fische hochgiftig: Es blockiert den Sauerstofftransport im Blut, indem es Hämoglobin zu Methämoglobin oxidiert – die Fische ersticken dadurch trotz ausreichend Sauerstoff im Wasser. Werte ab 0,2 mg/l gelten als kritisch, ab 0,5 mg/l als akut gefährlich. Weil sich die nitritabbauenden Bakterien langsamer vermehren als die ammoniumabbauenden, entsteht in den ersten Wochen häufig ein deutlicher Anstieg – der sogenannte Nitritpeak.
Phase 3: Nitrat
Eine zweite Bakteriengruppe oxidiert Nitrit weiter zu Nitrat (NO3−), der deutlich ungefährlicheren Endstufe des Kreislaufs. Pflanzen nehmen Nitrat als Nährstoff auf, überschüssige Mengen entfernst du über den regelmäßigen Wasserwechsel. Als Richtwert gilt: Nitrat für die meisten Fische unter etwa 50 mg/l halten, für empfindliche Arten und vor allem Garnelen niedriger – bei ihnen kann zu viel Nitrat die Jodaufnahme und damit die Häutung beeinträchtigen.
Welche Bakterien übernehmen die Arbeit?
Zwei Bakteriengruppen tragen den Stickstoffkreislauf im Aquarium: ammoniumoxidierende Bakterien der Gattung Nitrosomonas und nitritoxidierende Bakterien. Hier hält sich ein hartnäckiger Mythos: Viele ältere Quellen nennen Nitrobacter als zweite Gruppe. Molekularbiologische Untersuchungen seit Ende der 1990er-Jahre zeigen jedoch, dass in Süßwasseraquarien nahezu ausschließlich Bakterien der Gattung Nitrospira für die Nitritoxidation verantwortlich sind, nicht Nitrobacter. Für die Praxis ändert das wenig, für das Verständnis aber schon: Beide Bakteriengruppen sind aerob, brauchen also Sauerstoff und eine ausreichend große, durchströmte Oberfläche – deshalb liegt der Schwerpunkt der biologischen Filterung im Filter, aber auch Bodengrund und Dekoration tragen bei.
Wie lange dauert der Stickstoffkreislauf im Aquarium?
Bis sich beide Bakteriengruppen ausreichend angesiedelt haben, vergehen in der Regel 3 bis 4 Wochen, in Einzelfällen auch 4 bis 6 Wochen. Entscheidend sind nicht Kalendertage, sondern die gemessenen Wasserwerte:
- Woche 1–2: Ammonium/Ammoniak steigt an und beginnt wieder zu sinken
- Woche 2–3: Nitrit steigt an (Nitritpeak), sinkt anschließend
- Woche 3–6: Nitrit dauerhaft nicht mehr nachweisbar, Nitrat messbar vorhanden – der Kreislauf ist eingefahren
Erst wenn Ammonium und Nitrit über mehrere Tage bei 0 mg/l liegen und Nitrat nachweisbar ist, gilt ein Aquarium als stabil eingefahren. Details zur Einlaufphase liest du in Einlaufphase Aquarium: ist sie wirklich notwendig?
Den Stickstoffkreislauf beschleunigen
Ganz frisches Wasser enthält praktisch keine Filterbakterien. Du kannst den Aufbau beschleunigen, indem du dein Becken animpfst:
- Filterschwamm-Methode: ein ausgedrückter Filterschwamm aus einem etablierten, gesunden Aquarium – die zuverlässigste Methode, birgt aber ein geringes Risiko, Parasiten oder Algensporen mitzubringen.
- Kommerzielle Bakterienstarter: Die Qualität schwankt zwischen Herstellern, unabhängige Tests finden teils keine nachweisbaren Nitrifizierer. Die eigentlichen Stickstoff-Bakterien bilden zudem keine Sporen, da sie gramnegativ sind – Vorsicht bei Produkten, die Sporenbildung bewerben.
- Poröses Filtermaterial mit großer Oberfläche (z. B. Sinterglas) einsetzen, damit sich die Bakterien dauerhaft ansiedeln können.
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Ausführlich beschrieben ist der komplette Startvorgang in Kapitel 8 – Aquarium Wasser einfüllen.
Den Stickstoffkreislauf im Aquarium kontrollieren
Ohne Messung ist der Stickstoffkreislauf im Aquarium unsichtbar. Miss in der Einlaufphase alle 2 Tage, bei ersten Auffälligkeiten täglich – am zuverlässigsten mit einem Tröpfchentest, nicht mit Teststreifen. Passende Testsets: 👉 sera Ammonium/Ammoniak-Test (NH4/NH3) und 👉 JBL Wassertest-Koffer. Mehr zu Testkits und Messintervallen in Testkits & Wasserwerte im Aquarium messen.
Der JBL-Biologe Heiko Blessin erklärt den Ablauf anschaulich in einem kurzen Video der Reihe JBL TV – Warum sterben Fische bei hohen Nitritwerten?
Wie lange dauert der Stickstoffkreislauf im Aquarium?
In der Regel 3 bis 4 Wochen, in Einzelfällen 4 bis 6 Wochen. Entscheidend sind die gemessenen Werte für Ammonium, Nitrit und Nitrat – nicht ein festes Datum.
Was ist der Unterschied zwischen Ammonium und Ammoniak?
Ammonium (NH4+) ist für Fische weitgehend ungefährlich, Ammoniak (NH3) dagegen hochgiftig. Welcher Anteil vorliegt, hängt vom pH-Wert und der Temperatur ab: Bei höherem pH und höherer Temperatur steigt der giftige Ammoniak-Anteil.
Welche Bakterien sind am Stickstoffkreislauf beteiligt?
Nitrosomonas wandelt Ammonium/Ammoniak in Nitrit um, Nitrospira wandelt Nitrit weiter in Nitrat um. Der oft genannte Nitrobacter spielt in Süßwasseraquarien laut aktueller Forschung praktisch keine Rolle.
Kann ich den Stickstoffkreislauf beschleunigen?
Ja, durch Animpfen mit einem Filterschwamm aus einem etablierten Aquarium oder mit kommerziellen Bakterienstartern. Beides ersetzt aber keine vollständige Einlaufzeit.
Ist Nitrat gefährlich für Fische?
Nitrat ist deutlich ungefährlicher als Ammoniak oder Nitrit. Werte unter etwa 50 mg/l gelten für die meisten Fische als unbedenklich, empfindliche Arten und Garnelen reagieren aber schon bei niedrigeren Werten.
Aqualizer-Tipp
Trage Ammonium, Nitrit und Nitrat direkt im Aqualizer ein – so siehst du den Verlauf aller drei Phasen auf einen Blick und erkennst Nitritpeak oder Stillstand frühzeitig.




